ANDERS? NORMAL! Eine Porträtserie zur Vielfalt unserer Gesellschaft


Hallo und herzlich Willkommen!

 

Vorigen November habe ich mein erstes Buch herausgebracht. ANDERS? NORMAL! Eine Porträtserie zur Vielfalt unserer Gesellschaft, ist ein Buch mit Porträts von 26 Personen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Ich möchte Ihnen in diesem Blog zeigen, wie es von der Idee zu diesem Buch bis zum fertigen Buch im Selbstverlag kam. Sie werden in diesem Blog erfahren, wie ich meine Ausstellungen geplant habe und wie sie letztendlich dann umgesetzt wurden.

DIE IDEE


Die Idee entstand durch einen Vorfall, der meinem Ehemann an einen Nachmittag mitten in Köln passierte. Dazu müssen Sie wissen, dass mein Ehemann seit Jahrzehnten ausschliesslich Lederbekleidung trägt, die zugegebener Maßen etwas martialisch wirken kann, jedoch niemals Anlass zu einer verbalen Attacke unterster Schublade geben sollte. Diese Art von verbalem Angriff im Jahre 2017 fand ich doch sehr erschreckend denn in unserer heutigen Zeit, in der jeder sein Leben doch so gestalten  können sollte, wie er will und nahezu jede Möglichkeit für die Verwirklichung des eigenen Lebensmodells gegeben ist, ist ein solches verhalten absolut unverständlich. darauf hin habe ich angefangen, Menschen auf der Strasse zu beobachten, wie sie sich begegnen auf der Straße und dabei ihre Körpersprache und Mimik insbesondere angeschaut. Ich  kann Ihnen sagen, das war schon stellenweise eine Offenbarung, mit welcher offensichtlichen Ablehnung ja teilweise angeekelten Blicken sich da begegnet wurde, nur weil jemand nicht dem jeweiligen Normverhalten entsprach, oder, was ich noch viel schlimmer fand, diese Reaktion häufig zu beobachten war, wenn jemand offensichtlich aus einem anderen Kulturkreis stammte. So entstand die Idee, genau die Art von Menschen, die ihre Individualität durch eigenwillige Kleidung, Haarschnitte tragen oder eben durch ihre offensichtliche Zugehörigkeit zu einer anderen ethnischen Gruppe gehören, zu fotografieren. 

Mein Ehemann, seit ca. 60 Jahren in Lederbekleidung


Der Start


Zunächst habe ich mir überlegt, wie und wo ich diese Menschen ansprechen kann. Ich habe mich  für folgende Varianten entschieden:

  1.  Aus dem unmittelbaren Umfeld, also Freunde und Bekannte
  2. In meiner Gaststätte
  3. In den sozialen Medien, hauptsächlich Facebook

Nach einer gewissen Zeit habe ich mich getraut, Menschen direkt auf der Strasse, beim Frisör oder im Supermarkt anzusprechen. Das war,  um ehrlich zu sein, eine teilweise seltsame, aber auch spannende Erfahrung!  Die Reaktionen bei der öffentlichen Ansprache reichten von " Cool, bin dabei" bis " was willst du Spinner denn".  Aber ich denke, ich bin mit ausreichend Selbstbewußtsein ausgestattet, dass mich das keinesfalls davon abhalten könnte, auch weiterhin Menschen direkt anzusprechen.

 

Das Video zur Suche der Teilnehmer zum Buchprojekt "ANDERS? NORMAL! Eine Porträtserie zur Vielfalt in unserer Gesellschaft. Hier noch mit dem irreführenden  Titel "Krasse Models", würde ich heute sicher so auch nicht mehr bezeichnen!


In meinem direkten Umfeld war die Reaktion eher positiv, breite Zustimmung für den Ansatz des Projektes und auch für die geplante Art und Weise der Umsetzung.

Auch in meiner Gaststätte war die Bereitschaft der Angesprochenen groß. Letztendlich haben nur 2 Personen nicht teilgenommen, die ich gerne dabei gehabt hätte.  

Mir war klar, dass die reinen Porträts der Teilnehmer noch nicht ausreichen würden, um den Betrachter gegebenenfalls dazu zu bringen, statt unverständliches Kopfschütteln auf Basis der optischen Erscheinung, Verständnis  und den Willen zum Kennenlernen zu generieren.

Wenn man ein Foto einer anderen Person betrachtet, so bleibt dies reduziert auf das Äußere. Würde man aber die Person persönlich kennen lernen z.B. in einem Gespräch, würde das Urteil über diese Person nicht nur durch den äußeren Eindruck gefällt, sondern die Mimik, Gestik und die Sprache sowie der mitgeteilte Inhalt würden ein viel komplexeres Urteil über diese Person ermöglichen. Daher kam mir der Gedanke, mit den Teilnehmern des Projektes jeweils ein Video-Interview zu führen. Dabei sollte es weniger ein wissenschaftlich vorbereitetes und geführtes Interview sein, sondern mehr ein Gespräch zwischen 2 Menschen, die sich darüber unterhalten, wie die Gesellschaft auf den individuellen Look oder unterschiedlichen ethnischen Background reagiert. 

Die Umsetzung


Nachdem nun die grundsätzliche Vorgehensweise festgelegt war, konnte ich mich mit den Details der Umsetzung auseinander setzen.Klar war von vorne herein, dass die Fotos auf den ersten Blick als Serie zu erkennen sein mußten. Also waren bestimmte Posen, ein einheitlicher Hintergrund und ein nahezu gleicher Bildausschnitt bei den Teilnehmern gesetzt.Als Hintergrund habe ich einen unifarbenen schwarzen Hintergrund gewählt. Das reine schwarz wurde über einen von mir speziell für dieses Projekt erstellten Filter im Bildbearbeitungsprogramm in ein blau-schwarz umgewandelt.

Der Ausschnitt für das sogenannte Key Visual, also das Foto, welches bei allen Teilnehmern ausgewählt werden sollte für z.B. den Druck für eine Ausstellung, war in den meisten Fällen ein Porträt ab Knie. Damit wollte ich erreichen, dass meine Fotos einen ähnlichen optischen Eindruck haben, wie früher lange vor der Fotografie die alten Meister Porträts von den adligen Herrschaften malten. Auch wurde das Licht so gewählt, dass man eher den Eindruck hat, als sei nur der Oberkörper und das Gesicht richtig ausgeleuchtet und der Körper sozusagen aus dem unteren, dunkleren Bereich des Fotos herauswachse. 

 

Mein Ansatz für diese Porträtserie war in erster Linie , die Menschen, die ich auswählte, dem Betrachter näher zu bringen im Sinne des höchstmöglichen Grades durch die Fotografie und der Videos. Daher war es nur konsequent, mehr als ein Foto pro Teilnehmer zu nutzen, um diesem Ziel so nahe wie möglich zu kommen. ich denke, jeder von uns hat schon mal erlebt, dass, obwohl wir Menschen aus unserem engeren Umfeld schon lange kennen, wir doch immer wieder von Mimiken oder Gesten des Jeweiligen überrascht werden, die wir vorher nicht wahrgenommen haben. Und genau so bin ich an die unterschiedlichen Fotos der Teilnehmer herangegangen.

Beispielfoto für ein Key Visual


Beispielfotos zum besseren Kennenlernen der Teilnehmer


Bei den Shootings war es mir sehr wichtig, mit jedem der Teilnehmer noch vor den Shootings ein ausführliches Gespräch zu führen. Zum Einen, um eine lockere Atmosphäre herzustellen und somit eventuelle Verspannungen oder Nervosität beim Teilnehmer zu verhindern, zum Anderen, um sie oder ihn zu 100% darauf einzustimmen, dass es bei den Shootings nicht darum geht, jemanden zu schönen oder in Posen eine schauspielerische Leistung abzurufen, sondern das es bei den Fotos darum geht, die Teilnehmer so real und wirklich dazustellen, wie es möglich ist, ja zu versuchen, wenigstens unterschiedliche Stimmungen einzufangen oder gar ansatzweise den jeweiligen Charakter zu offenbaren. Die Teilnehmer selbst haben dann durch dieses Vorgespräch versucht, sich so zu zeigen, wie sie glaubten zu sein. Es ist mir unmöglich zu sagen, ob dem dann auch tatsächlich so war, aber ich glaube schon, dass wirklich versucht wurde, so nahe wie möglich auf den Fotos dem realen Menschen zu entsprechen. Während der Shootings habe ich mich mit den Teilnehmern unterhalten, ihnen Fragen gestellt oder sie etwas aus ihrem Leben berichten lassen, daher entstanden sicher auch einige Fotos, die einfach nur ungeschönt und ohne zu Posen entstanden sind. Nebenbei glaube ich, dass Menschen viel mehr von sich selbst preisgeben, wenn sie sich nicht auf das fotografiert werden konzentrieren, sondern auf ein Gespräch, das gleichzeitig geführt wird.

Mit diesen QR Codes habe ich die Brücke geschlagen zwischen dem "Old school" Medium Buch und dem neuen Medium Internet. Mit dem Smartphone und einer entsprechenden installierten App kann man diese QR Codes scannen. Danach öffnet sich im Browser des Smartphones das jeweilige Video mit einem der Teilnehmer. Alternativ ist unter jedem der QR Codes der Link, der direkt in den Browser des Computers eingegeben werden kann. Jeder der Teilnehmer hat in seinem Interview eine markante Aussage getroffen und jeder eine andere. Dies verdeutlicht, wie individuell mit einem Thema umgegangen wird.

Beispiel QR Code zu einem Videointerview.

Alternativ zum QR Code der Link: http://www.fotoprojektffk.eu/Video14.html


Die Ausstellungen


Galerie Hartung, Mühlenbach 28, 50676 Köln, Vernissage 06.05.2018,

Ausstellung vom 07.05. - 21.05.2018



Das Buch

Durch den glücklichen Umstand, gleich gegenüber meines Studios eine kleine Galerie gehabt zu haben, kam ich ins Gespräch mit dem Inhaber, welcher selbst Künstler ist und Skulpturen aus Beton herstellt. Dabei stellte sich heraus, dass er im Zuge des Sommerblut-Festivals eine Performance sowie ein Puppentheaterstück zum Thema Körper zusammengestellt hat. 

Nachdem wir kurz gesprochen hatten über die Porträts und die Interviews, bot er an, meine Arbeiten den Verantwortlichen des Sommerblut - Festivals vorzustellen, um diese ebenfalls für den Zeitraum des Festivals in seiner Galerie auszustellen. Nach einem Gespräch meinerseits mit den Verantwortlichen wurden meine Arbeiten dort sozusagen rahmengebend eingebunden. Dazu hier ein paar Impressionen von der Vernissage.



 

 

 

 

 

Das Buch erschien im November 2018. Jeweils ein Exemplar gingen an die Nationalbibliotheken in Frankfurt und Leipzig, ein weiteres an die Universitäts- und Landesbibliothek nach Bonn. Dort kann das Buch dann auch im Saal ausgeliehen werden. Das Buch kann zum Preis von 79,90 Euro hier auf der Website im Shop oder über Amazon erworben werden. 

 

Es ist eine gebundene Ausgabe mit Fadenbindung, auf 230 Seiten werden alle 26 Protagonisten vorgestellt sowie der jeweilige  QR Code bzw. Link zum Video - Interview. Gedruckt wurde das Buch in bestem Digital Druck auf fine Art Fotopapier.

Vernissage im Treppenhaus der IHK zu Köln




Des Weiteren wurde die Ausstellung noch in Bonn in der Otto Benecke Stiftung gezeigt sowie im Kreishaus des Kreises Erft in Bergheim. Auf diesem Wege nochmal an alle, die mir die Ausstellung ermöglichten und allen, die dabei geholfen haben, die Ausstellung aufzuhängen, meinen aller herzlichsten Dank!


Liebe Besucher, nun ist es an Ihnen! Gerne können Sie mir Kommentare, Anregungen oder Kritik über das unten angezeigte Formular zukommen lassen. Ich freu mich darauf, von Ihnen zu hören!

Kommentare: 1
  • #1

    Schneider (Dienstag, 30 Juli 2019 10:06)

    Schöne Bilder und gute Idee. Weiter so.